Konzert "Orgel und Oratorium"

Sonnabend, 15.März 2008, 19:30 Uhr

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45
Nach Worten der heiligen Schrift für Soli, Chor und Orchester

Olivier Messiaen: "Diptyque" für Orgel
Essay über das irdische Leben und die glückselige Ewigkeit

Im zweiten Konzert des Ilmenauer Messiaen-Festivals erklingen zwei bedeutende Werke der Kirchenmusik: "Diptyque" für Orgel von Olivier Messiaen und "Ein deutsches Requiem" für Soli, Chor und Orchester op. 45 von Johannes Brahms. Diese Kopplung ergibt sich nicht nur wegen der runden Geburtstage beider Komponisten (Brahms - 175, Messiaen - 100 Jahre), sondern auch inhaltlich. Auch in der Kompositionsstruktur gibt es interessante Parallelen.

Beide Werke setzen sich mit dem Tod und dem ewigen Leben auseinander. Die Idee des Trostes gewinnt dabei die Oberhand und steht am Ende sowohl im Requiem als auch im Orgelstück als zentrale Aussage.

Ausführende:
Yuka Matsuoka - Sopran
Mario Hoff - Bariton
Henri Ormières (F) - Orgel

Mitglieder der Staatskapelle Weimar
Bachchor Ilmenau
Leitung: Hans-Jürgen Freitag

Konzertausschnitt "Diptyque"

Aufnahme am 15.März 2008 in der Jakobuskirche Ilmenau.

Ein deutsches Requiem op. 45

Brahms' Requiem gehört zu den Meisterwerken unter den Oratorien des 19. Jahrhunderts. Er stellte es in den Jahren 1865-1868 nach dem Tod seiner Mutter fertig. Das Requiem erlebte sein Uraufführung 1868 im Bremer Dom - noch ohne die später komponierte Nr. 5 "Ich will euch trösten wie einen eine Mutter tröstet". Es zählt in die frühe Periode des Umgangs Brahms' mit der großen Form. Der erst 32-jährige Komponist schaut hier sowohl konservativ zurück als auch weit voraus in die Zukunft. Das äußert sich auch in der Textwahl: Brahms vertont nicht den liturgischen Text der lateinischen Totenmesse sondern Bibeltexte eigener Wahl in deutscher Sprache, zu denen er in typisch romantischer Weise eine existentielle Beziehung sucht. Seine Individualität scheut sich auch nicht, mit dem Überkommenen zu brechen und den Text in neue Beziehungen zu setzen. So tritt das Totengedenken zurück zu Gunsten des Trostes derer, "die da Leid tragen". Das Requiem ist also vor allem eine Musik für die Lebenden, die Trauernden.

Mit dem deutschen Requiem begegnet uns ein Werk, dessen emotionale Wucht bei gleichzeitiger Durchorganisation der musikalischen Elemente enorm ist. Obwohl durch und durch romantisch, weist es weit in die musikalische Zukunft.

"Diptyque" für Orgel

"Diptyque", das erste Werk Messiaens, das im Druck erschien, offenbart uns einen Komponisten, der ganz der französischen Orgelromantik entstammt und doch schon deutlich einen eigenständigen Kompositionsweg einschlägt. Im Stil seiner Spätzeit mischt Messiaen Poesie und Handwerk in seinem Kommentar: „ ...vom irdischen Leben und der himmlischen Glückseligkeit. Das Stück besteht aus zwei Teilen: zuerst das irdische Leben mit seinem nutzlosen Treiben – dann das Paradies. Beide Teile benutzen das selbe, verwandelte Thema. Die Erde, ... der Himmel: Dasselbe Thema, aber in Dur, sehr langsam, im "zweiten Modus mit begrenzter Transpositionsmöglichkeit - ein langsamer Satz der Ekstase."

Wie Brahms bleibt sich auch Messiaen trotz allen Forschens und der gewaltigen Entwicklung in seinem Lebenswerk letztlich treu. Sowohl dem Romantiker Brahms als auch dem Postromantiker Messiaen geht es um das Wesen des Daseins und die Überwältigung bei der Berührung mit dem Ewigen.

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