Blitzlichter aus der Nativité

Ilmenauer Walcker-Orgel

Die Orgel, mit 95 Jahren allemal schon eine ältere Dame zeigt sich durchaus noch rüstig, ja jugendlich. Nicht primär ihre Größe, mit 65 Registern ist sie nach der Orgel des Erfurter Domes das zweitgößte Instrument Thüringens, sondern vor allem ihre Güte zieht auch international anerkannte Organisten in die Stadt.
1911 von der Firma Walcker/Ludwigsburg in den Prospekt der Vorgängerorgel (1857) gebaut, verkörpert sie einerseits die typische Klanglichkeit der Zeit. Viele grundtönige Register und eine starke dynamische Orientierung ermöglichen eine perfekte Wiedergabe etwa der Orgelwerke Max Regers. Darüber hinaus aber sind auch die Einflüsse der elsässischen Orgelreform zu nennen, die dem Instrument eine starke Affinität zu Bach und Silbermann verleihen und es drittens nahezu ideal für die Interpretation französischer Orgelromantik erscheinen lassen. Daß dieser gewagte Stilmix nicht nur gut, sondern sehr gut gegangen ist, spricht für die Qualität der Erbauer.

Zwar wurden schon im ersten Weltkrieg die Prospektpfeifen mit ihrem hohen Zinnanteil als kriegswichtiges Material ausgebaut, doch blieb das Instrument ansonsten von den andernorts üblichen orgelbaulichen Unbillen des 20. Jahrhunderts weitgehend verschont. Lediglich in den sechziger Jahren erfolgten der Bau eines neuen Spieltisches und die Veränderung einiger weniger Register.

Nach der politischen Wende 1989 konnte dann, hauptsächlich durch das Engagement von Kantor Steffen Rieche und dem Orgelverein das Instrument weitgehend wieder in den Stand von 1911 zurückversetzt werden. Die Firma Christian Scheffler/Sieversdorf leistete mit dieser Renovierung eine außerordentlich hochwertige handwerkliche und künstlerische Arbeit.

Interview mit Orgelbauer Christian Scheffler

Orgelbauer Christian Scheffler erzählt über die Walcker-Orgel, ihre Restaurierung und Bedeutung für Ilmenau.

  Kontakt  |  Haftungsausschluss  |  Impressum  |  Inhaltsverzeichnis  |  Interner Bereich