Quellen

  • Cytowic, Richard E. : Farben hören, Töne schmecken. Byblos Verlag Berlin
  • Argender, Annelies : Das Farbenhören und der synästhetische Faktor der Wahrnehmung. Jena Verlag von Gustav Fischer
  • Lexikon der Psychologie
    Band 1, Band 4.
    Spektrum Akademischer Verlag
  • Der Brockhaus - Psychologie. Verlag F.A. Brockhaus Mannheim
  • Ästhetische Grundbegriffe
    Band 5
    . Verlag J.B. Metzler

Definition Synästhesie

Der Begriff Synästhesie kommt aus dem Griechischen von syn (=zusammen) und aisthesis (=Empfindung) und bedeutet "zusammenempfinden". Durch die Erregung eines Sinnesreizes wird automatisch ein anderer Sinnesreiz miterregt. Die häufigste Form ist das Farbenhören, auch Audition colorée genannt, wie sie auch bei Olivier Messiaen auftrat. Dabei wird durch einen akustischen Reiz eine optische Sinneswahrnehmung hervorgerufen. Akustische Reize können in Form von Einzeltönen, Akkorden, Musikstücken, aber auch Geräuschen und Stimmklängen auftreten. Die optischen Empfindungen, auch Photismen genannt, treten als Farbvorstellungen auf. Im Prinzip können Kombinationen aller fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) empfunden werden. Auch das Fühlen von Klängen oder Schmecken von Formen und Farben sind Formen der Synästhesie. Dabei werden diese Kombinationen jedoch nur in eine Richtung empfunden. Das heißt, dass ein optischer Eindruck ein Tastgefühl auslösen kann, ein Tastgefühl jedoch keinen optischen Eindruck hervorruft. Synästhetische Wahrnehmungen werden von jedem Synästhetiker anders empfunden.

Richard E. Cytowic beschreibt in seinem Buch "Farben hören, Töne schmecken" fünf Hauptmerkmale für die Synästhesie:

1. Synästhesien sind unwillkürlich, brauchen aber einen Auslöser, wie z.B. einen Klang oder einen Geschmack.

2. Synästhetische Wahrnehmung wird projiziert.

3. Synästhetische Wahrnehmungen sind dauerhaft. Auch viele Jahre später gibt ein Synästhetiker exakt die gleiche Empfindung wider. Weiterhin sind es keine komplexen Wahrnehmungen, sondern einfache Empfindungen, wie Farben und Formen. Trotzdem sind sie eindeutig zu unterscheiden.

4. Synästhesien "prägen sich dem Gedächtnis ein", d.h. Synästhetiker können sich leicht an die empfundene Wahrnehmung erinnern.

5. Synästhesien sind emotional.

 

Auftreten der Synästhesie

Synästhesie ist vererbbar und tritt extrem selten auf. Unter einer Million Menschen sind nur 10 Synästhetiker zu finden. Dabei sind 80% der Synästhetiker weiblich. Bei Kindern wurde Synästhesie häufiger beobachtet als bei Erwachsenen. Synästhetische Wahrnehmungen werden durch die Einnahme von Rauschmitteln verstärkt oder abgeschwächt. Koffein und Nikotin schwächen synästhetische Empfindungen ab, Alkohol hingegen verstärken sie.

Bei der häufigsten Form der Synästhesie, dem Farbenhören, werden Töne nicht nur akustisch wahrgenommen, sondern in Verbindung mit farbigen Formen, Mustern und Bewegungen empfunden. So wurde bereits 1690 von einem Fall berichtet, wo der Klang einer Trompete als scharlachrot bezeichnet wurde. Der russische Komponist Aleksandr Skrjabin (1871- 1915) ordnete den Tonarten spezifische Farben zu.

Geschichte der Synästhesie

Das Phänomen der Synästhesie ist der Medizin schon seit ca. 200 Jahren bekannt. Erstmals beschrieb Thomas Woolhouse, ein englischer Augenarzt, um 1710 den Fall eines Blinden, der von Farbwahrnehmungen, ausgelöst durch den Klang von Tönen, sprach.

Im 18./19. Jahrhundert, während der Zeit der Romantik (ca. 1789-1848) und des Symbolismus (Ende des 19.Jh.) erhielt die Synästhesie Einzug in die Kunst und Literatur. Man spricht hierbei von "literarischen Synästhesien". Die Romantiker, als auch die Symbolisten verwendeten die Synästhesie als metaphorisches Stilmittel. Besonders zu erwähnen sind Wilhelm Heinrich Wackenroder, Novalis, Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann und Joseph von Eichendorff. In ihren Werken und Gedichten sind synästhetische Empfindungen bereits deutlich beschrieben, ohne dass sie jedoch den Begriff der Synästhesie verwenden. Bereits während der Zeit des Symbolismus begann die wissenschaftliche Erforschung der Synästhesie. Der Begriff trat Ende des 19. Jahrhunderts erstmals als neuer medizinisch- psychologischer Begriff auf. Bis in die ersten Jahre des 20. Jh. jedoch galt Synästhesie als "psychologischer Tick", da niemand dieses Phänomen mittels der modernen Gehirnpsychologie erklären konnte. Mittlerweile gibt es medizinische Erklärungen und Begründungen für das Auftreten von Synästhesie, die auf den Stoffwechseltätigkeiten im Gehirn beruhen.

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